Saturday, March 10, 2018

Der Autor und der Rassismus

Ich bin in den 1970ern aufgewachsen, ich bin auf dem Land aufgewachsen, und ja, das war eine Gesellschaft, die teilweise von Antisemitismus, Rassismus und Sexismus nur so triefte. Ich selber habe mich bequem durch diese Zeit manövrieren können, weil ich erstens natürlich nicht Zielscheibe dieses Hasses war und zweitens in meiner Familie und in meinem Freundeskreis überwiegend eine stramme Anti-Haltung  gegenüber diesen Einstellungen gab. Mein Cousin und ich nahmen schon als Kinder Tonbänder auf, in denen wir uns u.a. über solche Menschen lustig machten, die in unseren Augen nichts anderes als depperte Trottel waren. Erst in letzter Zeit ist mir klar geworden, dass man auch unbewusst Bilder, Stereotype aufnimmt, dass selbst wenn man sie ablehnen mag oder sogar ganz fest glaubt, sie abzulehnen, diese einen formen, und dass es Anstrengung und Konzentration braucht, zu erkennen, dass man selbst Vorstellungen in sich trägt, die schlicht und einfach voller Vorurteile sind, vielleicht sogar rassistisch. Ich versuche mich auch als Autor zu hinterfragen und herauszufinden, wo ich selber Fehler gemacht habe, wo ich in Zukunft besser arbeiten kann. Ich bin sehr dankbar, dass unter den Menschen, mit denen ich zu tun habe, die mir nahestehen, die ich liebe, Menschen verschiedener Länder, Kulturen, Religionen, Hautfarben sind, dass sie mir auf eine Art die Augen geöffnet haben, wie es ohne sie nie geschehen wäre. Es ist mir auch ein großes Anliegen, bei der Verfilmung des Anatolischen Panthers ein Augenmerk darauf zu legen, zu mahnen, dass die Roma in der Geschichte mit nötigem Respekt und mit nötiger Vorsicht gezeichnet werden. Früher habe ich oft hinausposaunt, dass ich mich nicht um Political Correctness scheren würde. Heute kommt mir so eine Aussage weder rebellisch noch wild, sondern einfach nur noch kindisch und dumm vor. Ich habe mich vom ersten Tag an, als ich zu schreiben begonnen habe, als einen gesehen, der für die da unten schreibt, für die da unten kämpft, und immer nach oben tritt. Und die, die Political Correctness schützt (über das Ausmaß kann man diskutieren, natürlich gibt es keinen festen, klar definierten Rahmen), sind so meistens die, die eh schon unten stehen oder benachteiligt werden.



http://www.belltower.news/artikel/mehr-empörung-über-antiziganismus-im-film-13435