Monday, March 6, 2017

We have woken. Really?


Wassili Grossman beschreibt in Leben und Schicksal, einem der besten Romane aller Zeiten, eine Szene, die mir - wie viele andere aus dem Buch - immer wieder in den Sinn kommt. Es geht um eine Gruppe Juden, die eingepfercht in einem Güterwagon auf dem Weg zur Vernichtung sind. Irgendwo bleibt der Zug stehen und sie hören draußen deutsche Soldaten sprechen. Da gibt es dann einen Dialog, in welchem eine Frau im Wagon sagt (ganz frei wiedergegeben, es sei mir verziehen, ich habe die Stelle auf die Schnelle nicht finden können): Diese verdammten Barbaren da draußen, ich wette, die haben noch nie Heine gelesen. Und die Entgegnung lautet: Und? Was nützt dir das, dass du  Heinegedichte auswendig kannst? Die werden leben und du wirst sterben.

All dieses Belesensein, all diese Moral, die wir glauben zu besitzen, all diese klugen Gedanken, auf die wir hie und da so stolz sind, unser ach-so-zivilisiertes Behnehmen - all das wird nicht helfen, wenn die, die glauben, einen faschistischen (austauschbar: islamistischen) Staat errichten zu wollen, zu den Waffen greifen. Und keiner soll glauben, dass nicht einige von denen den Tag X herbeisehnen und darauf vorbereitet sind. Ich denke jetzt an die USA, wo ich es durchaus für möglich halte, dass eine Absetzung Trumps zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen in manchen Städten oder Regionen führen könnte. Aber nicht nur. Ganz in meiner Nähe hat ein recht unwichtiger Neonazi mit einer Kalaschnikow-Nachbau um sich geballert, zwei Menschen getötet und zwölf schwer verletzt. Wenn so eine kleine Nummer zwei solcher automatischer Waffen besitzt, was besitzen dann die richtig großen braunen Terroristen? Ich staune manchmal über die Naivität, mit der die Feinde von Demokratie und Freiheit unterschätzt werden. Von wehrhafter Demokratie haben die meisten keine Ahnung. Da spricht die Kanzlerin z.B. heute von Meinungsfreiheit, wenn es darum geht, Leuten den Mund zu verbieten, die in ihrer Heimat Schriftsteller, Journalisten, Oppositionelle in Gefängnisse schmeißen, die sagen, man werde Menschen in Haft so behandeln, dass sie um ihren Tod flehen, und sich hier die Zustimmung ihrer Landsleute dafür abholen wollen. Der verdammte Faschismus ist keine Meinung, er ist ein Verbrechen, mein Gott, dass man diesen uralten Satz wirklich wieder aus der Mottenkiste packen muss.

Es muss auch nicht gleich die harte Tour sein, Hitler, Faschismus, KZs, schon klar. Es kann ja auch "nur" um einen autoritären Staat gehen, der die bestehende Ordnung ablöst. Man lese am 06.03. 2017 den Facebook-Eintrag eines der größten Journalisten der USA, Dan Rather, und wer diesen Eintrag nicht gespenstisch und unwirklich findet, den beneide ich beinahe, denn der weiß nicht um den Abgrund, vor dem das Land steht, das unserem Land im letzten Jahrhundert Frieden und Freiheit brachte:  

https://www.facebook.com/theDanRather/posts/10158306303030716

Und weil ich mich so maßlos in den letzten Monaten darüber geärgert haben, wieviele Menschen Trump kleingeredet, kleingeschrieben haben, ihn verharmlost, ja, sogar von Pest gegen Cholera in diesem Präsidentschaftswahlkampf gesprochen haben - ein Aufsatz von Dushan (Douchebag? The Douche?) Wegner, den man sich noch einmal durchlesen sollte ...

"Ich halte Hillary Clinton für problematischer." 

http://www.tichyseinblick.de/meinungen/usa-warum-ich-trump-waehlen-wuerde/

OH.
MY.
GOD.


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