Thursday, September 1, 2016

Innsbruck, ich muss dich lassen ...


Wieder einmal in Innsbruck, wieder einmal eine Reise nach Tirol, wo alles begann. Meinen ersten Roman habe ich dort geschrieben, NO LLORES, MI QUERIDA, WEINE NICHT, MEIN SCHATZ, lange bevor er 2005 erschienen ist. Der Grundriss entstand 1998, 1999, die ersten Versuche als Schriftsteller in einer Zeit, da ich noch davon träumte, Gitarrist zu werden. Mit acht Jahren hatte ich angefangen, Klassischen Gitarrenunterricht an der Musikschule zu nehmen, 1987, mit fünfzehn, entdeckte ich Eddie Hazel, Albert Collins, Eddie Van Halen, Stevie Ray Vaughan (den ich noch live erleben durfte), Jeff Beck, Vernon Reid und viele andere zogen mich in ihren Bann, und es gab für mich fast zwanzig Jahre nur das Ziel, Rockgitarrist zu werden, die perfekte Band für mich zu finden, Songs zu schreiben, Songs aufzunehmen, auf Tour zu gehen, von der Musik zu leben. Dass alles ganz anders kam, ist eine lange Geschichte, sehr persönlich und nicht wirklich spannend, jedenfalls stellte ich die Kramer-Gitarre und den Verstärker in die Ecke und rührte sie für Jahre nicht mehr an. All die Stunden, die ich vorher mit ihr verbracht hatte, verbrachte ich nun vor dem Laptop (meinen ersten kaufte ich 1999, mit 27, vorher schrieb ich auf einer Schreibmaschine), aber der Großteil von dem, was ich schrieb, war Müll, und mir war klar, es würde lange dauern, ehe ich irgendwas schaffen könnte, das es wert sein könnte, veröffentlicht zu werden.

Ich habe Innsbruck geliebt und gehasst. Geliebt habe ich die Nordkette, den Inn, die beinah südländische Atmosphäre im Sommer, den Schnee im Winter, Wacker Innsbruck im alten Tivoli, den Boxclub, meine Freunde, die Frauen, gehasst habe ich nicht selten die Engsternigkeit mancher Leute, gehasst habe ich oft die Jobs, die ich annehmen musste, die horrenden Mietpreise, die bei gewisser Wetterlage sagenhaft schlechte Luft (im Radio gab es an manchen Wintertagen die Warnung, man solle heute besser nicht joggen gehen, da es gesundheitsschädigend sei) ...

Ich war also zurück in der Stadt, die für viele Jahre mein zuhause gewesen war, es war heiß und schwül, aber große, weiße Wolken (ja, genau die, die ich so liebe) zogen über den Himmel, der Kaffee und das Bier schmeckten gut, und die Erinnerungen waren so lebendig und schön, dass ich am liebsten geblieben wäre.

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