Monday, July 11, 2016

Stand der Dinge


Am Dienstag, den 13. September 2016, erscheint mein fünfter Roman, Der Anatolische Panther. Im September werden vier Jahre vergangen sein, seitdem der Haymon Verlag den letzten Roman (das Drama über eine Zeit nach einem Nuklearunfall, "Die Lieder, das Töten") veröffentlicht hat. Vier Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Ich habe mit Stephan Lacant und Karsten Dahlem an der Verfilmung meines zweiten Romans gearbeitet, ich bin beim Schreiben immer wieder in Sackgassen gelaufen, wieder umgekehrt, war unzufrieden, unglücklich, aufgewühlt, verwirrt, aber Georg Hasibeder, Progammleiter des Verlags, hat mich wieder dorthin gebracht, wo ich mich wohlfühle, und irgendwann habe ich gemerkt, dass ich am Ende mit dem Skript, den Figuren, der Geschichte, den Dialogen glücklich sein werde.

In "Man Down" gibt es die Figur des Shane, diesem türkischen Dealer, der laut und böse durch die Welt bzw. München-Giesing poltert, und in einem Gespräch mit Schülern, die fast alle türkischstämmig waren, wurde mir klar, wie sehr sie von diesem Typen begeistert waren. Sie fragten mich, warum ich denn den so gut beschreiben hätten können, da ich ja kein Türke sei, darauf wusste ich keine andere Antwort, als dass zwei meiner besten Kumpels in meinen wilden Jahren türkischer Herkunft waren und mir viel Stoff geliefert haben (dass mein Schwager Türke ist, hat eher weniger damit zu tun; dass eine gute Freundin Kurdin ist, dann wieder mehr). Und die Schüler meinten dann, ich müsse einmal einen Roman schreiben, in dem so einer wie Shane die Hauptrolle hat. In dem ein Shane der Held ist. Dieser Enthusiasmus dieser Jugendliche für diese Figur, diesen wilden, dreisten Drogendealer, ist mir lange nicht aus dem Kopf gegangen. Shane war ja nicht gerade einer, den man so richtig liebgewinnen kann, er hintergeht nicht nur seinen besten Kumpel, nein, er ist sogar dabei, als er zusammengeschlagen wird. Und trotzdem ... "so geil!" ... "so abgefahren" ... Es war eben nicht Kai, der tragische Held von "Man Down", nein, es war Shane, den sie liebten.

Ich kann mich nun wirklich über zu wenige positive Rezensionen für "Man Down" beklagen (ganz im Gegensatz zum umstrittenen ersten Roman, den viele Journalisten zu jener Zeit für zu extrem befanden, allerdings nur so lange, bis das Deutsche Theater in Berlin den Stoff auf die Bühne brachte), und auch wenn man gern und oft behauptet, es wäre einem egal, was die Kritiker sagen, freut das einen hie und da, aber nichts hat mich so bewegt wie das Leuchten in den Augen dieser Jungs, wie ihr aufgeregtes Erzählen, ja, die beiden Lehrerinnen meinten danach, sie hätten meine Bücher aus der Schulbücherei rumgereicht wie Drogen.

Und jetzt, nach all den Jahren, liefere ich also, nach was sie verlangten. Die Hauptfigur des Anatolischen Panthers, Tarik, hat zwar nur wenig gemeinsam mit Senol Aydin aka Shane aus "Man Down", aber es gibt doch auch Parallelen - die beiden haben ungefähr dasselbe Alter, einen ähnlichen Background, leben im selben Milieu, lieben das Gras und die Mädchen ... Und wie die meisten meiner Figuren basieren beide auf echten Personen, aber natürlich werden diese realen Menschen verfremdet, wird viel dazu gedichtet und vieles gestrichen, und ich lasse einen neuen Menschen entstehen, sodass in den meisten Fällen sich auch niemand mehr wiederkennen kann.

Es war also ein langer Weg zur Veröffentlichung, 2014 bereits hat Marek Harloff aus dem neuen Roman im WDR-Radio gelesen, im selben Jahr bekam ich für einen Ausschnitt ein Förderstipendium des Landes Vorarlbergs und ebenfalls in Vorarlberg las ich im September 2015 bei den Bregenzer Literatur Tagen eine Stelle aus dem Anatolischen Panther. Noch zwei Monate, dann seht das Buch in den Läden und vielleicht liest es tatsächlich einer der Jungs von damals und ist glücklich mit dem, was ich geschaffen habe.

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