Friday, April 18, 2014

Götterdämmerung

Ja, ich bin ein Fan von Buchhandlungen, überhaupt von Geschäften, in die man gehen kann, in denen man beraten wird und in denen einem auch geholfen wird, wenn ein Produkt defekt ist. Der Onlinehandel killt viele dieser Geschäfte, und ich finde das deprimierend. Ich liebe auch Verlage und gedruckte Bücher, ich habe mir bis heute keinen E-Reader zugelegt, trotzdem ist nicht alles so schwarz und weiß, wie das manchmal rüberkommt, wenn es z.B. um E-Book, Selfpublishing und Amazon geht. Zu dem Thema kommen ja meist fast ausschließlich Vertreter von Amazon und Verlagen bzw. Ebook-Schreiber zu Wort. Deshalb möchte ich mich als Autor, der vier Romane bei Verlagen veröffentlicht hat, kurz äußern, denn ich kann zum Teil das Jammern der Verlage und Agenten nicht mehr hören.

Verlage behaupten gebetsmühlenartig, sie würden Autoren im Gegensatz zu Amazon ein Rundumpaket garantieren. Das heißt: Lektorat, PR, Vermittlung von Lesungen usw. Das tun sie auch. Bis zu dem Zeitpunkt, da es vielleicht mit einem Buch nicht so gut läuft. Bis der Erfolg des letzten Buchs nicht wiederholt wird. Dann plötzlich verpufft alles ... Es gibt noch ein Lektorat, ja, natürlich ... aber ansonsten wird alles zurückgefahren, beinahe auf Stand-By geschaltet. Klar – man muss sich ja um die kümmern, die richtig fett verkaufen – oder einfach nur besser verkaufen. Kann ich alles nachvollziehen, Verlage sind keine Wohltätigkeitsvereine. Aber dann, liebe Verlagsleute, bitte nicht rumheulen, der böse Tiger Amazon wäre so verdammt gierig, würde den Literaturbetrieb ins Wanken bringen, die Vielfalt in der Literatur bedrohen, wenn es doch auch den meisten Verlagen in erster Linie um die Kohle geht.

Ich habe 2013 gut verkauft ... aber nicht mit meinem neuen Roman. Nein, mit Ebooks, verkauft auf Amazon, bei Geschichten, in denen wir experimentiert haben, die wir zusammen geschrieben haben – mein Name taucht dabei nicht auf, ganz einfach, weil mein Verlag das nicht wollte. Ich habe das ohne Widerrede akzeptiert. Nun sitze ich da und frage mich, wo mein Gesamtpaket hingekommen ist.

Ich habe für “Man Down” unzählige großartige Kritiken bekommen – von der Neuen Zürcher Zeitung (Karl-Markus Gauß!) bis zur FAZ, vom “Standard” bis zur “Presse”, von Benno Führmann bis zu Alexander Hauer, es gab noch im Jahr des Erscheinens eine Theaterinszenierung in München. Wäre ohne Verlag nicht möglich gewesen, keine Frage. Wäre aber ohne den Autor völlig unmöglich gewesen! Was ist mit der PR, die ich als Autor mit dem Roman für den Verlag geleistet habe? Ist die nichts wert?

Ich würde mir wünschen, die Verlage würden sich auch selber hinterfragen. Von ihren zum Teil wahnwitzigen E-Book-Preisen bis hin zu ihrer Betreuung von Autoren ... Vielleicht wird gerade die Revolution des Literaturbetriebs eingeläutet. Es gab eine Zeit, da hätte ich laut HILFE! geschrien. Jetzt freu ich mich auch ein bisschen auf das, was da kommen könnte. Es wird wohl kein Stein auf dem anderen bleiben. Und inzwischen schreibe ich am fünften Roman, an einem E-Book und zusammen mit den Regisseuren Stephan Lacant und Karsten Dahlem an der Verfilmung von "Bataillon" und "Man Down".

Oliver Kahn gibt das Motto vor: Immer weitermachen! Immer weiter! Immer weiter! 





Und hier die gestrige Doku zum Thema auf ARTE.TV:


http://www.arte.tv/guide/de/048379-000/storyseller-wie-amazon-den-buchmarkt-aufmischt?autoplay=1