Sunday, September 1, 2013

Hurra! Hurra! Jetzt sind sie da!


Über 2 Jahre habe ich mich gefragt (auch hier auf meinem Blog), wo all die Friedensdemonstranten waren, als Assad mit Kampfjets Wohngebiete bombardieren ließ, Zivilisten entführen und zu Tode foltern. Niemand* protestierte auf den Straßen gegen Putin, der den Diktator monatelang mit Geld und Waffen versorgte, damit der Assad-Clan nicht bankrott geht und der Krieg weitergehen kann. Niemand protestierte, als iranische Revolutionsgarden und die Hisbollah aus dem Libanon in Syrien wüteten, ein Umstand übrigens, der Stimmen in diesen Tagen, die gegen eine "Intervention von außen" wettern, absurd machen. Kein Plakate, keine Sprechchöre gegen China und Russland, die seit 2 1/2 Jahren (!) selbst bei den abscheulichsten Verbrechen Assads die UN blockieren und so jede Resolution gegen die syrische Regierung verhindern. Niemand protestierte gegen den Einfall radikaler Islamisten, die Gegner und Andersgläubige oft nicht weniger brutal terrorisieren als die Milizen.


Aber jetzt sind sie zurück! Auf den Straßen!

Gegen die USA! Gegen den Teufel!** Manche so erbittert und wütend, dass man glauben könnte, die wären 1945 lieber weitere 100 Jahre unter NS-Herrschaft geblieben, als dass sie sich von den verdammten Amis hätten befreien lassen. Ich war und bin kein Fan der Außenpolitik der USA - ich habe in der Schule Aufsätze gegen Ronald Reagan geschrieben, da haben meine Klassenkameraden die Contras in Nicaragua als Freiheitskämpfer gefeiert. Ich war auf Demos gegen den Irakkrieg (gleichzeitig Demos gegen Saddam), ich bin der Letzte, der die Verbrechen und Sünden der Vergangenheit leugnet. Aber Syrien ist nicht Nicaragua, ist nicht der Irak, und den Anti-Amerikanismus dieser Tage finde ich beschämend und auch lächerlich.

Wenige USA-Basher glauben den Berichten aus Syrien. Denn der Menschenrechtsreport der U.N. ist ja gefälscht. Amnesty International und Ärzte ohne Grenzen werden von CIA bezahlt. Die Medien, die Assad-kritisch berichten, sind - wir wissen es! - fest in Ostküsten-Hand.
Um die Leiden des syrischen Volkes und eine Lösung des Bürgerkriegs in Syrien geht es dabei nur so am Rande. Ja, wir beleidigen sie sogar, indem wir sie einteilen in Assad-Gefolgschaft und Islamisten, indem wir ausblenden, wie die Rebellion anfing, und leugnen, dass es immer noch breiten nicht-islamistischen Widerstand gibt.***


Gehen wir auf Twitter, folgen wir den demokratischen Aktivisten und Zivilisten in Syrien und ich garantiere, dass uns allen eine Lektion erteilt wird. Wenn wir diese Leute im Stich lassen, wenn wird diesen Leuten nicht helfen, werden wir sie an die Radikalen verlieren und der Krieg, der dann eines Tages folgt, wird ein großer sein.






* Ausnahmen gab und gibt es, keine Frage, Niema Movassat von den LINKEN z.B., der schon vor über zwei Jahren auf Demonstrationen für Syrien sprach
** Ich war auf genügend Demos gegen die USA in meinem Leben, ich weiß um die Verbrechen und Fehler!  
*** http://online.wsj.com/article/SB10001424127887324463604579044642794711158.html?mod=wsj_share_tweet