Monday, August 22, 2011

NICHTS Was im Leben wichtig ist

Ich werde immer wieder von meinen Lesern oder auch von Journalisten angesprochen: Hast du dieses Buch schon gelesen?! Seltener ist, wenn mir Leute sagen: Lies bloß nicht dieses Buch! Außergewöhnlich bei Janne Tellers „Nichts: Was im Leben wichtig ist“ war, dass ich beide Tipps bekam: Unbedingt lesen und unbedingt lassen. Ich bin äußerst skeptisch gegenüber Hype im Literaturgeschäft, meide solche Bücher, solange es nur irgendwie geht, aber die äußerst heftigen Reaktionen zu „Nichts“ haben mich dann doch dazu bewogen, das Buch in die Hand zu nehmen.


Ich möchte nun gar nicht näher darauf eingehen, ob das Buch für Jugendliche bzw. ab welchem Alter es geeignet ist, ich kann und will das nicht beurteilen, auch, ob die Geschichte logisch ist, ist für mich keine Diskussion wert, denn logisch muss sie gar nicht sein, weil das nicht wichtig für diese Art von Erzählung ist.

„Nichts“ als ein kraftvolles Buch, ein hartes Buch. Ein Buch, das mich keine Sekunde gelangweilt hat. Weil ich mit 15 selber ein bisschen Pierre Anthon war, ich hockte zwar auf keinem Baum, aber mit einer Les Paul vor einem 50-Watt-Amp, ließ mir die Haare wachsen, hörte laute Rockmusik und machte laute Rockmusik. Ich spielte stundenlang E-Gitarre, ich reduzierte meine Aktivitäten in der Schule auf ein Minimum, lernte nicht mehr auf Schularbeiten, machte keine Hausaufgaben, meldete mich nur zu Wort, wenn ich pinkeln musste oder fluchen wollte, ich dachte mir: Du musst sterben, also hat das alles keinen Sinn – das Lernen, Streben, Bravsein, Abschluss machen, Job suchen, Arbeiten ... ja, selbst das Gitarrespielen war im Grunde sinnlos, aber es machte wenigstens Spaß. Ja, ich dachte: Nichts hat Bedeutung. Nichts bleibt! Alles vergeht. In „Nichts“ wollen die Klassenkameraden nun Pierre überzeugen, dass es sehr wohl etwas gibt, was Bedeutung hat, und bei dem Versuch, diesen Beweis zu überbringen, übertreten sie jede Grenze, gehen immer noch einen Schritt weiter, vielleicht weiter, als man das in einem Jugendbuch erwarten würde. Das mag sensible Leser verstören und schocken, aber Teller betreibt keine billige Effekthascherei, sie trifft genau die richtige Dosis. Ich mag auch den Stil, die Geschichte wird nicht bierernst und verkrampft erzählt, man bekommt sie zum Teil sogar witzig, vor allem aber respekt- und tabulos serviert. Ein außergewöhnliches, ein packendes Buch, eines, das aus der Masse hervorsticht. Lesen! Und mit mir schimpfen, wenn es nicht gefällt.


No comments:

Post a Comment