Tuesday, January 11, 2011

VKW

Foto: Hochwasser Leiblach, Dezember 2010

Ein Energieversorgungsunternehmen ohne Kernkraft, wie es die Vorarlberger Kraftwerke AG ist, ist erst mal was Gutes, dafür gibt es Applaus. Nicht so schön ist, was die Leute der VKW machen, um die Hochspannungsleitungen vor heranwachsenden Bäumen zu schützen, wie ich selber beobachten durfte: Erst mal tuckert ein Traktor daher, auf dessen Tür Helga steht, und ein Mann steigt aus. Der Mann, der vielleicht Helga heißt, steht da ein wenig verunsichert, denn 80 Prozent der Bäume, die er am Flussufer vorfindet, sind weit davon entfernt, die Stromleitungen zu berühren. Helga zuckt mit den Achseln, irrt hilflos zwischen den Bäumen umehr, zückt dann aber doch die Spraydose und markiert ein paar von ihnen. Schließlich muss so ein Arbeitstag mit Arbeit gefüllt werden, Helga lässt sich bestimmt nicht gerne sagen, dass Helga faul sei. Nun rückt der Rest der Truppe in einem VW-Bus an, im Schlepptau ein LKW, an dessen Fronsteite eine Häckselmaschine angebracht ist. Auch Chantal, Cindy, Jacqueline und Wilhelmine scheinen ratlos zu sein, sie hatten sich wohl mächtigere Bäume erwartet, mit Zweigen, die die Leitungen beinahe küssen, aber falsch gedacht, hier wurde schon in den letzten Jahren gerodet, was das Zeug hielt. Nach ein paar Telefonaten geht es los und die Motorsägen kreischen um die Wette. Jahr für Jahr wurde die Stelle immer mehr ausgelichtet, im Januar 2011 wird es nun endlich vollbracht: Dort, wo seit Menschengedenken Bäume und Sträucher wuchsen, ist nun eine Schneise am Ufer. Das mag ein Spießerherz glücklich machen, denn kleine Geister haben gerne saubere Ufer, aber auch hier gilt das, was ich für die Leiblach schon mal geschrieben habe: Die fehlenden Bäume und deren Wurzeln lassen das steil abfallende Ufer auf deutscher Seite immer mehr bröckeln. Und da das Wasser Jahr für Jahr nach Unwettern höher steigt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis einmal eine gewaltige Uferrutschung stattfindet - die Wellen der Wassermassen (siehe Foto!), die im Flussbett Richtung Bodensee donnern, sind kaum mehr zu vergleichen mit denen der Hochwasser vor 30, 40 Jahren. Dann freilich ist es zu spät, um mit der Wiederbepflanzung zu beginnen, dann können nur mehr großangelegte Verbauungen helfen. Das verschlingt öffentliche Gelder, aber davon haben wir ja genug. Die VKW wird sich natürlich auch daran beteiligen - nämlich mit einem müden Lächeln.

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