Monday, November 1, 2010

Flu Day - The longest Day

Wenn man mit hohem Fieber und Schmerzen im Bett liegt und nicht lesen, Musik hören oder Bockspringen kann, bleibt einem nichts anderes übrig, als Schäfchen zu zählen oder die Glotze anzuwerfen. Nach einer fast schlaffreien Nacht habe ich um 5 Uhr das Ding eingeschaltet und für einen Tag als meinen Alleinunterhalter auserkoren.

DMAX ist – nach eigenen Angaben – „Fernsehen für die tollsten Menschen der Welt: Männer“ (www.dmax.de), als ich aber die muskelbepackten Männer mit buschigen Schnauzbärten sehe, die oben ohne in Rekordzeit in irgendeinem Dschungel uralte Bäume fällen und sich danach ihre verschwitzten Leiber vor Freude aneinanderreiben, habe ich den Verdacht, der Slogan könnte doppeldeutig gemeint sein. Nicht, dass ich was gegen einen Schwulensender hätte … überhaupt nicht, aber es ist halt nicht mein Ding und ich zappe lieber mal weiter. (Abgesehen davon sind die uralten Bäume größere und wunderbarere Kunstwerke als all die von Menschen gemachten Maschinen, die auf DMAX im ganzen Jahr zu sehen sind.)

Ich wechsle auf einen österreichischen Privatsender, der in einem Telefonquiz Männernamen raten lässt. Das schau ich mir gerne an, es gibt einem das Gefühl von geistiger Überlegenheit. Die Tatsache, dass so viele Leute so dämlich sind, dort für 65 Cent/Minute anzurufen in dem Glauben, sie könnten einen Männernamen erraten, der ihnen 65.000 Euro einbringt, das macht einen froh. Zweiter Buchstabe A. "Ganz leicht!", sagt der Moderator. "Ganz, ganz einfach!" Oh? Karl? "NEIN!" Kai? "AUCH FALSCH! ABER GUTER VORSCHLAG!" Bart? "DEUTSCH! ES MUSS EIN DEUSCHER NAME SEIN!" Camill? "EINFACHER!" Hans?" NOCH EINFACHER!" Hm. Einfacher als Hans.

„MALTE!“, sagt der Moderator, nachdem die Zeit nach 45 Minuten abgelaufen ist und unzählige Anrufer vergebens geraten haben. „Sie hätten mir nur Malte sagen müssen und 65.000 Euro hätten Ihnen gehört!“

Malte. Wenn es mehr als drei Österreicher auf der Welt gibt, die Malte heißen, nennt mich künftig Pepe.

Das Vormittagsprogramm ist dürftig, ich zappe und zappe, entscheide mich dann für Comedy. „Die dreisten Drei“. Mirja Boes mag ich, einfach so, ich mein – als Frau – deshalb sag ich da jetzt auch nichts Böses. Muss man auch nicht. Einige Sketche sind ja ganz ok. In der zweiten Folge jedoch, offenbar aus einer späteren Staffel, ist Mirja weg – man hätte die Serie danach besser eingestellt.

Ich schlafe ein und als ich aufwache, ist Mittagszeit und Zeit für Politik. "Presseclub" in der ARD, es geht um die USA, um die bevorstehenden Kongresswahlen, um den angeschlagenen Präsidenten, ein Moderator und vier Experten, die Diskussion sehr interessant und kurzweilig, man ist überrascht und verärgert, als die Sendung nach knapp 45 Minuten schon zu Ende geht. Noch größer aber wird die Freude, als ich den „Literaturclub“ auf 3Sat sehe. Endlich erklären zwei Kritiker, dass Jonathan Frantzen ein totaler Langweiler sei. Wie lange habe ich darauf warten müssen? Danke, danke, ich fühle mich jetzt weniger einsam auf der Welt.

In den Dritten Programmen laufen am Nachmittag deutsche Filme aus den 50ern und 60ern. Ich mag diese Heile-Welt-Filme, viele sind Schrott, aber einige sind einfach schön, auch wenn ich mich immer gefragt habe, wie das funktioniert hat, gerade in den frühen 50ern. Eben noch hat man die Welt vom Untermenschentum befreien wollen, sind Frauen und Kinder ins Gas geschickt worden, und nur ein paar Jahre später – haha! – wie ist die Welt doch schön und bunt – trala! – alle haben sich lieb, eine kleine Verwechslungsgeschichte, ein bisschen Herzschmerz, ein paar Schmachtfetzen … wie, ja, wie hat das nur funktionieren können? Totale Auslöschung jeglicher Erinnerung? Tabula Rasa? Wie konnten diese Menschen so lachen? So singen? So tanzen? Nach dem ungeheuerlichsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte, bei dem ihre Väter oder sogar noch sie selbst beteiligt gewesen waren?

Nach einem Fußballspiel sehe ich „Superstars“ auf RTL, dessen Erfolgsrezept ganz einfach ist: Man nehme eine beliebige Promi-Jury (ein Mitglied muss allerdings Dieter Bohlen sein, sonst würde das Ganze nicht funktionieren), die Kandidaten bewerten, welche entweder etwas Außergewöhnliches vorführen können oder absolut lächerlich sind. Die einen rühren zu Tränen, weil sie so gut sind oder die Geschichte, die dahinter steckt, so tragisch ist, bei den anderen kann Deutschland seine Schadenfreude ausleben und über Dumme, Fette, Hässliche, Tolpatsche lachen. Da wird einem der Typ sympathisch, der mit seinem Kumpel auftritt, aber nur alleine weiterkommen dürfte, was er ablehnt, woraufhin die drei Juroren ihn als Vollidioten bezeichnen. Aber der Typ meint: „Ich gewinn mit meinem Kumpel und verlier mit ihm.“ Wahre Männerfreundschaft, yea, könnte aus einem meiner Bücher sein. Mag ich. Die Jurorin Sylvie van der Vaart beweist mir übrigens wieder einmal, dass attraktive Frauen abstoßend sein können. Seh ich Sylvie oder Heidi (Klum), wünsch ich mir fast schon wieder die Lumberjacks auf den Bildschirm zurück.

An „Saving Private Ryan“ versuche ich mich zum vierten Mal vergeblich. Irgendwas an Tom Hanks kann ich nicht ausstehen, gestern kam mir der Verdacht, es könnte seine deutsche Synchronstimme sein. Ich mochte ihn in einem Film mit DiCaprio, und da sah ich die Orginalversion in Englisch. Zum Schluss noch ein Thriller, der recht nett beginnt, dann aber unsäglich abstürzt. „Ich weiß, wer mich getötet hat“. Mea Culpa, ich weiß. Wer sich einen Film mit so einem dämlichen Titel ansieht, ist selber Schuld.

Schließlich, es ist kurz nach Mitternacht, nehme ich sieben Schlaftabletten, um nicht auch noch Al Bundy anschauen zu müssen. Das hätte ich nicht überlebt.

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