Friday, October 1, 2010

Blut an den Händen

Wenn jemand in unserem Land mit ein bisschen Marihuana erwischt wird, wird er wie ein Schwerverbrecher behandelt. Ein Drogenboss, der seine 100 Millionen auf einer heimischen Bank parkt, ist jederzeit willkommen. Wird ein Kind geschändet und ermordet, kommt jedes Mal reflexartig der Ruf nach der Einführung der Todesstrafe. Wenn ein Diktator ein ganzes Volk schändet und Zehntausende – auch Kinder – ermorden lässt, dann werden seine Milliarden immer noch mit offenen Armen von unseren Banken aufgenommen. Ein 17-jähriger Ladendieb, der zum zweiten Mal bei einem Diebstahl erwischt wurde (einmal T-Shirt, einmal Pafüm) wurde in Wien vor einiger Zeit zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verdonnert. Wenn ein Milliardär ein paar Millionen am Fiskus vorbeischmuggelt, dem Staat Millionen klaut, ist sein Geld immer noch willkommen.

Geld stinkt nicht, egal, woher es kommt, egal wie blutbesudelt es ist. Ein Österreicher, der offenbar in den Diebstahl von Steuerdaten verwickelt war, ist in der Schweiz in U-Haft gestorben. Die Schweizer Behörden hatten – entgegen internationalem Recht – die österreichischen Behörden nicht von der Festnahme informiert. Auch die Familie wusste nichts davon. Bei den Verhören war offenbar der Schweizer Geheimdienst involviert. Ob nun Selbstmord (wer weiß, welche Methoden bei den Verhören angewandt wurden), Mord oder natürliche Ursache. Hier stinkt’s. Hier stinkt’s gewaltig.

„Die Gesellschaft ist ihrem Wesen nach kriminell, sonst würde sie nicht existieren.“ (Joseph Conrad in einem Brief, 1899)

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