Tuesday, September 7, 2010

Was darf ich sehen? Was soll ich hören?

Jogi Löw hat während eines WM-Spiels in Südafrika intensiv und lange in seiner Nase gebohrt, was er mit seinem Fund machte, möchte ich verschweigen, um niemandem den Appetit zu verderben. Die halbe Welt hat über die Aufnahme gelacht, vielleicht sogar die ganze, nur in Deutschland waren die Bilder nicht zu sehen. Aber warum? Jeder kleinste Furz einer Spielerfrau war eine Meldung wert, aber Jögi Löw, der fesche Bundestrainer mit seinem sexy Schal, der wurde geschont. Hätte nun Maradona dasselbe getan, welche Zeitung in Deutschland hätte das nicht als Video online gestellt?
Was dürfen wir Medien-Konsumenten sehen, was wird uns vorenthalten? Warum hat die Öffentlichkeit erst nach Monaten erfahren, dass der in München an einer S-Bahnhaltestelle zu Tode gekommene Geschäftsmann Oskar Brunner nicht durch die Schläge und Tritte der Jugendlichen starb, sondern an einem Herzversagen (er litt an einem Herzfehler - selbstverständlich wurde das Herzversagen ausgelöst durch die Schläge, trotzdem ändert sich meiner Meinung nach damit der Sachverhalt erheblich)? Wer informierte darüber, dass mehrere Zeugen angaben, das spätere Opfer hätte zuerst zugeschlagen? Wer hat das so lange verschwiegen und warum? Weil der Mann das Bundesverdienstkreuz bereits posthum verliehen bekommen hatte? Weil die Stimmung aufgeheizt war und niemand Spielverderber sein wollte und damit Gefahr lief, die Wut der Leser auf sich zu ziehen?
Nein, ich möchte damit nicht ein Verbrechen kleinreden, nicht den Toten mit Dreck beschmeißen – ich fordere nur, dass die Medien ihren Job tun und objektiv informieren. Ob Jogi Löw in der Nase popelt oder nicht, das ist mir egal, von mir aus kann er seinen Finger auch in Oliver Bierhoffs Nase stecken, im Fall Oskar Brunners allerdings habe ich den Verdacht, dass das Gericht sich von dem betäubenden Trompetenlärm der Medien und der öffentlichen Meinung leiten ließ und insbesondere im Fall des zweiten Jugendlichen zu einem Strafmaß griff, das bei ähnlichen Fällen nur ein Drittel so hart war.

No comments:

Post a Comment