Wednesday, September 1, 2010

Die Leiblach - und die Torheit der Landbevölkerung

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Ich möchte das Leben auf dem Land nicht schönreden. So gibt es hier Dummheiten, die sich über Jahrzehnte hinweg fortsetzen und die mich manchmal daran zweifeln lassen, wie dort überhaupt Fortschritt – im positiven Sinn des Wortes – möglich ist. Und wenn ich von der Leiblach sprach, dann muss ich auch von den Dummheiten sprechen, die dort begangen werden. Nicht nur, dass das Ufergehölz regelmäßig niedergemacht wird, damit jedes noch so exotische Tier und jede noch so exotische Pflanze auch ja keinen Platz zum Leben finde, weil wildes Leben in diesem Land der Erbsenzähler nicht willkommen ist (was kein Geld bringt, hat kein Existenzrecht), werden immer wieder uralte, gesunde Bäume direkt am Wasser gefällt, z.T. über 100-jährige Bäume, deren tiefes Wurzelwerk das Ufergelände halten. Und wenn das geschieht, geschieht es meist – und das ist das Problem – in großem Stil. Übrig bleiben dann an langen Uferstrichen nur mehr Nadelhölzer oder kranke Bäume, die kaum mehr Laub tragen, deren Rinde sich bereits abschält.
Und seit ich ein Kind bin, wiederholt sich, was sich wiederholen muss: Die Hänge beginnen zu rutschen. Die Wurzeln der gefällten Bäume halten zwar noch einige Zeit, aber irgendwann verlieren sie die Kraft. Die extremen Unwetter, wie sie in den letzten Jahren immer häufiger vorkommen, verschärfen die Situation: Es gibt immer mehr Plätze, an denen nichts mehr nachwachsen kann, die früher oder später nur durch Eingriffe der Wildwasserverbauung gesichert werden müssen. Und so ist es, wie überall, wo Menschen Geld verdienen, wenn sie wider der Natur handeln: Die Allgemeinheit muss irgendwann teuer dafür bezahlen. Die Waldbrände in Russland, die ungeheuerlichen Umweltkatastrophen in China, die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko … überall stehen am Ende unvorstellbare Kosten für die Allgemeinheit den Gewinnen weniger gegenüber. Aber ändern wird sich daran nichts. Auch nicht in meiner Heimat.


Foto 1: Deutsches Leiblachufer, August 2010
Foto 2: Ein Hang, der einst stabil und von Bäumen und Sträuchern bewachsen war, ist durch Rodungen ein ständig rutschender Hang geworden
Foto 3: Aufwendiger Hochwasser- und Uferschutz

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