Sunday, June 13, 2010

Fußball-WM in Südafrika

Man fragt sich, ob das Geld, das Südafrika für die Fußball-Weltmeisterschaft ausgibt, nicht anders ausgegeben hätte müssen. Die Armen in den Slums werden garantiert finanziell kein bisschen von dieser WM profitieren. Und es ist schon zu hinterfragen, wer diese vielen neuen Stadien nach der WM wirklich nutzen will. Auch in Portugal stehen heute Stadien, die für die EM 2004 gebaut wurden, aber so gut wie nicht mehr gebraucht werden - die Baumafia ist wohl heute noch mit Geldzählen beschäftigt. Den Griechen kamen die Olympischen Sommerspiele so teuer, dass über die wahren Kosten der Mantel des Schweigens gelegt wurde. Und Griechenland ... naja, man kennt die Geschichte.

Die andere Seite ist die Stimmung, die ein Land erfassen kann bei einem Großereignis. Was 2006 in Deutschland geschah, davon reden die Leute heute noch. Über diesem Land lag ein Zauber, der schwer zu beschreiben und zu erklären ist. Natürlich mögen die Medien dafür gesorgt haben, dass gewisse Exzesse ausgeblendet wurden und erst Wochen oder gar Monate später ans Tageslicht kamen. (Das Ausmaß der Ausschreitungen in Stuttgart wurde erst viel später in einer DOKU gezeigt.) Trotzdem. Es war für eine kurze Zeit für 100.000e von Menschen in Deutschland eine andere, eine unwirkliche - schöne - Welt. Eigentlich hätte die WM 2006 für den Friedensnobelpreis in jenem Jahr vorgeschlagen werden müssen, ich habe in meinem ganzen Leben nie friedlichere, fröhlichere Menschen erlebt wie in München in diesen Wochen. Und diese Menschen kamen aus allen Teilen der Welt, selbst aus Ländern, die sich gar nicht für die WM qualifiziert hatten. Menschen verschiedenster Rassen, Nationen, Religionen - Love and Peace überall, es war als würde man nur noch eine Sprache sprechen.

Aber zurück zu Südafrika. Rockmusiker haben mich beim Schreiben schon immer mehr beeinflusst als Schriftsteller. Und eine der eindringlichsten Pophymnen in meiner Teenagerzeit war Peter Gabriels "Biko", das Lied über den ermordeten südafrikanischen Bürgerrechtler Stephen Biko:

http://www.youtube.com/watch?v=iLg-8Jxi5aE

"You can blow out a candle
But you can't blow out a fire
Once the flames begin to catch
The wind will blow it higher"

Diese Kraft habe ich mir Literatur immer gewünscht. Eine Kraft, die Unrechtsregime und Diktaturen früher oder später in die Knie zwingen kann, weil sie stärker ist als die Macht der Kugeln und Schlagstöcke. Dass Südafrika nach Ende der Apartheid kein Land wurde ohne Rassismus und Gewalt, ist ein anderes - trauriges - Kapitel.


Foto: Camila Torres C., http://camicompulsiveclicker.blogspot.com/

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