Saturday, April 3, 2010

Eat the Rich

Foto: Camila Torres C., http://www.blogger.com/profile/02157295322997851073

Vor einigen Tagen las ich in einer großen Boulevardzeitung auf der Promi-Seite von einem Multimillionär, der Ärger mit seiner Frau hatte ... Die Zeitung wusste, wer gut (Mann!) und wer böse (Frau!) war in diesem Rosenkrieg, lobte seine Geschäftstüchtigkeit, seine Geselligkeit, präsentierte Fotos seiner Villa, seines Panzers, seiner selbst, wow. Wie langweilig. Ich wollte schon umblättern, da las ich, zu welcher Firma er bis vor Kurzem gehört hatte - der Firma, die mich ein Jahr lang geärgert hatte, ein Jahr verarscht hatte ... nach all den Monaten Auseinandersetzungen am Telefon und via E-Mail endlich ein Gesicht. Über ein Jahr lang hatte ich gekämpft, damit seine Firma das Werbeversprechen einhielt (es ging um einen 250-Euro-Gutschein), und ich war nicht der einzige - in Internetforen waren unzählige Kunden, die belogen worden waren. Ich fragte mich, ob er den verfluchten Panzer kaufen konnte, weil er diese Kunden betrogen hat, oder von den unseriösen Geschäftsgebahren gar nichts wusste. Ich fragte mich, ob er eine Ahnung hatte, wieviel Zeit und Kraft es kostet, gegen eine gesichtslose Firma anzukämpfen, deren Mitarbeiter einen wöchentlich aufs Neue anlogen (in bester Stromberg-Manier wurde stets versichert, den Fehler zu korrigieren: "Das läuft!"), ob ihm klar war, dass für manche Menschen 250 Euro keine Peanuts sind, kein Trinkgeld im Edelpuff ist, sondern Geld, das verdammt noch mal am Monatsende fehlt, ...

Keine Ahnung, wer wann wo beschließt, dass Kunden betrogen werden sollen. Kalkuliert, dass so gut wie niemand sich leisten kann, einen Anwalt zu bezahlen. Niemand sich die Mühe macht, eine Kampagne im Internet zu starten. Irgendwo muss das doch beschlossen werden. Und wie viele von den Mitarbeitern wissen von den Schweinereien? Die Methode in diesem Fall war immer dieselbe - der Start-Gutschein wurde einfach nicht ausbezahlt. Wer nicht reklamierte, sah logischerweise kein Geld. Wer reklamierte, wurde wochen-, meist monatelang hingehalten, immer wieder wurde getrickst, vertröstet, ... Nur die wirklich Hartnäckigen wurden schließlich belohnt. Viele gaben früher auf, schließlich war die Nutzung der Telefon-Hotline nicht nur kostenpflichtig, sondern auch eine Art von Psychoterror. Ewig lange Wartschleifen, Computerstimmen, plötzlicher Verbindungsabbruch.

Und dann blätterst du in dem Revolverblatt und siehst den Boss mit der Villa und dem Panzer. Und liest was vom "Geheimnis seines Erfolges" - und von seinem ständigen "Pech in der Liebe". Und denkst dir: Vielleicht hat seine Braut einfach erkannt, dass seine Villa und sein Panzer auf billigen Betrügereien basieren. (Und was du mit seinem Panzer machen würdest, wenn er draußen auf der Straße stehen würde, das stellst du dir auch vor, und der Gedanke bringt dich zum Schmunzeln und lässt dich den Ärger für einen Moment vergessen.)

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