Saturday, March 13, 2010

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Foto: Camila Torres C., http://www.blogger.com/profile/02157295322997851073

Ich habe schon viel erlebt als Benutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln, aber manchmal wird man dann doch wieder überrascht. Kürzlich zeigte ich einer Schaffnerin mein Ticket, das ich kurze Zeit vorher an einem U-Bahnentwerter abgeknipst hatte, und die Dame meinte dann, es wäre bereits vor einem Tag abgestempelt worden. Und sie hatte Recht: Laut Abdruck hatte ich das Ticket am Vorabend um 20:53 entwertet. Ich saß mit einem ungültigen Ticket im Zug. Ein Leben lang hatte ich für Bus-, Zug-, U-Bahntickets bezahlt und jetzt stand ich vor allen Leuten als Schwarzfahrer und Lügner da.

Samstagmorgen in einer U-Bahnstation mitten in München - ein Mann liegt regungslos am Bahnsteig, er sieht für mich nicht aus wie ein Betrunkener, der seinen Rausch an einem exotischen Ort ausschlafen will, aber die Menschen - viele Menschen - gehen an ihm vorbei, steigen über seinen ausgestreckten Arm, der liegt da am Boden und niemanden kümmert es. Ich laufe zum Schalter im oberen Geschoss und wenigstens der MVG-Beamte reagiert nicht gleichgültig und verständigt sofort U-Bahnwache und Rettung. An solche Dinge wird man sich wohl nie gewöhnen, wenn man nicht in einer Stadt aufgewachsen ist.

PS: Und wenn immer über die Deutsche Bahn geschimpft wird - die Schaffnerin, von der die Rede war, glaubte mir und fand schließlich sogar einen Beweis, dass ich nicht gelogen hatte und der Entwerter falsch programmiert sein musste: Auf dem Ticket war das Kaufdatum vermerkt - und somit wäre das Ticket entwertet worden, ehe ich es gekauft hatte.

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