Wednesday, February 3, 2010

Stand Your Ground!

Es gab eine Zeit vor der Uraufführung von "Weine nicht" am Deutschen Theater, da haben die Medien und Veranstalter nichts von meinem Debütroman wissen wollen. Es gab zwar ein paar nette Rezensionen, eine Lesung in Berlin, aber das war's dann schon. Leute rieten mir, ich solle mich vielleicht etwas zurückhalten - mit meinen Blogeinträgen, meinen Aussagen. Ich solle mich auch nicht mit wichtigen Leuten aus dem Kulturgeschäft anlegen, man müsse auch einmal Dinge runterschlucken und klein beigeben. Ich solle doch warten - sobald sich der Erfolg einstellt, könne ich ja tun und lassen, was ich wolle. Ich habe den Ratschlag sogar befolgt, aber es war für die Katz'. Es bringt nichts zu kuschen. Es bringt nichts sich zu verstellen. Dieselben Leute, die über mich lästerten, klopften mir auf die Schultern, als die Premiere in Berlin stattfand. Dieselben Leute, die mich wenige Wochen zuvor von Veranstaltungen ausgeladen hatten, kamen mit offenen Armen auf mich zu, Bussi links und Bussi rechts.
Nein, nein, wer nicht zu sich und seiner Meinung steht, wenn er unten ist, wenn er klein ist, der wird auch nie zu sich und seiner Meinung stehen, wenn er oben ist. Ich schäme mich für die Zeit, da ich versucht habe, mich anzupassen. Was hatte ich denn zu verlieren? Wie erbärmlich ist es, sich zu verstellen für ein paar Euros, ein paar verkaufte Bücher mehr, ein paar gutbezahlte Lesungen! In Russland riskieren kritische Journalisten ihr Leben, in China verschwinden Regimekritiker für Jahre im Knast, werden gefoltert oder getötet, überall auf der Welt gibt es Länder, in denen man für einen Artikel, ein Buch, ja auch nur einen kurzen Blogeintrag mit seinem Leben bezahlen muss. Wer, wenn nicht wir hier in Deutschland, in einem freien, demokratischen Land, sollen nicht rausschreien, was uns stinkt, was uns ankotzt, und ja! Manchmal übertreibe ich es, manchmal schieße ich übers Ziel, manchmal sind die Attacken zu hart oder gar ungerecht - ich bin immer und gerne bereit, meine Meinung auch zu revidieren. Aber nicht um des Geldes wegen. Nicht um zu gefallen. Nie mehr. Ich werde nie mehr meinen Mund verkleben. Nie mehr eine Lüge leben. Darauf mein Wort.

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