Sunday, February 28, 2010

Foto: Camila Torres C., http://www.blogger.com/profile/02157295322997851073

Als ich noch ein Kind war, da wollte ich immer bei den Großen sein. Bei denen, die eine große Klappe, harte Fäuste, schöne Fressen und keine Angst hatten, denen, die meine Straße und somit die ganze Welt regierten. Ich hechelte ihnen hinterher und biederte mich an. Diese Kerle standen im Licht und ich nicht einmal in ihrem Schatten. Ich war gar nicht vorhanden, unsichtbar für die Mädchen, für die Welt. Ich hätte alles gegeben, nur ein bisschen cool zu sein, ein bisschen dazuzugehören, ein bisschen bewundert zu werden. Ich war ja nicht einmal einsam, es gab da Menschen, die sich mit mir abgeben wollten, sie sahen ein bisschen witzig aus, rochen manchmal etwas streng und verhielten sich merkwürdig, aber es waren gute Jungs, Kumpels, mit denen ich so viel lachen konnte - warum nur nie über mich selbst, warum nur nie über die Coolen, die wie eine Armee von John Waynes durch die Stadt stolzierten? Vor kurzem nun sah ich einen dieser Coolen, oh ja, er ist nun Politiker und er hat immer noch eine große Klappe und immer noch eine schöne Fresse und gewiss fürchtet er nichts - außer sein persönliches Scheitern. Wie blind man doch ist, wenn man Angst hat, zu kurz zu kommen, wie sehr man sein Herz verleugnet, wenn man sich so nach einem starken Führer sehnt, aber ich denke, ich hoffe!, ich habe meine Lektion längst gelernt. Diese Großmäuler mit schönen Fressen, aber ohne Seelen, ich erkenne sie auf 200 Meter, ich mache einen Bogen um sie, ich pinkle auf ihre Wahlplakate, wenn keiner herschaut … und in Gedanken auch ein bisschen auf den Kerl, der ich früher mal war.

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