Monday, January 25, 2010

All die großen Schriftsteller

Foto: Camila Torres C., http://www.blogger.com/profile/02157295322997851073


Als „Weine nicht“ Premiere am Deutschen Theater in Berlin feierte, sagte mir ein befreundeter Journalist, er freue sich über den Erfolg meines Buches, aber hätte er nur gewollt, hätte er so etwas wie „Weine nicht“ auch schreiben können.

Hm. Hätte er vielleicht.

Es gibt auch Leute, die würden vielleicht schneller laufen als Usain Bolt, wenn sie hart genug trainieren würden. Tun sie aber nicht. Also ist Usain Bolt der schnellste Mann der Welt.

Um ein Buch wie „Weine nicht“ zu schreiben, musste ich alle Sicherheiten aufgeben, musste ich Scheißjobs machen, musste ich ein Risko eingehen, das mein Bekannter niemals eingegangen wäre. Das 98 Prozent der Möchtegern-Schreiber nicht eingegangen wären. Es mag sie geben – große Talente, versteckte Genies, unsterbliche Poeten! Aber sie sind nicht da! Ich kann nichts lesen von ihnen! Ich höre sie nur immer reden. Warum reden sie nur und schreiben nie?!

Es ist nun mal meistens nicht so einfach, Schriftsteller zu werden. Ich bin bei brütender Hitze auf allen vieren im Bauch eines Flugzeugs gekrabbelt und habe Koffer geschichtet. Oooooh, ich weiß – das schmeckt jetzt alles ein bisschen nach dem Bollerwagen, den Veronica Ferres durch ein zerbombtes Dresden zieht, in zerfetzten Kleidern, mit zwei Kindern an der Hand. Nein, nein, bitte, kein Mitleid! Ich möchte keinen auf Underdog machen, denn ich alleine habe den Weg gewählt, niemand hat mich gezwungen. Ich hätte es einfacher haben können, es gab Angebote, aber ich wollte Schriftsteller werden, nichts anderes. Ich stand auch in einem Schloss vor hässlichen Habsburgervisagen als Aufseher, und manchmal war die Arbeit so langweilig, dass ich mir den Kopf so lange gegen die Wand schlagen wollte, bis er platzte. Aber ich wollte schreiben. Schreiben, schreiben, schreiben. Nichts anderes. Und diese Jobs haben es mir ermöglicht. Garantierten mir eine freie Zeiteinteilung, Blaumachen nach Lust und Laune, und es gab auch meistens keine Chefs, die mir auf den Wecker gingen.

Ich weiß, es gibt mittlerweile viel Hype im Literaturgeschäft, ein nettes Gesicht ist schnell einmal in jeder Talkshow, ich weiß, in den Top-10 sind auch Bücher, die einem so viel Vergnügen bereiten wie eine Darmspülung. Aber die meisten von den Autor(inn)en, die ich liebe und verehre, sind ein hohes Risiko gegangen, sie wollten und konnten nichts anderes als schreiben, und sie hatten es nicht leicht auf dem Weg nach oben. Und so lange das so ist, werde ich die Leute immer auslachen, die mir sagen, sie könnten das auch - „so ein Buch schreiben.“

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