Wednesday, December 23, 2009

Weihnachtszeit - Spendenzeit

Foto: Camila Torres C., http://www.blogger.com/profile/02157295322997851073

Weihnachten war wieder mal die Zeit der großen Spenden. Almosen für die Bedürftigen, ob im eigenen Land oder in der Dritten Welt. Für manche Menschen kann dieses Geld überlebenswichtig sein, ich möchte das gar nicht kritisieren. Ich habe nur das Gefühl, man kauft sich vom schlechten Gewissen frei. Denn unsere Gesellschaft entfernt sich immer mehr von einer gerechten, sozialen Gesellschaft, vom Verhältnis Erste Welt – Dritte Welt ganz zu schweigen.


Wir könnten uns viele Spenden sparen, wir könnten uns die betroffenen Promi-Gesichter an Weihnachten sparen, Bilder von verhungernden Menschen, würden wir für Produkte aus armen Ländern faire Preise zahlen, würden wir nur von Firmen kaufen, die gewisse soziale und ökologische Standards in diesen Ländern einhalten. Ich muss immer an diesen Typen denken, der mit seinem Boot den Niger entlang fuhr und irgendwo in einem Dorf fern jeder Zivilisation auf Menschen traf, die keine Fische mehr fangen konnten, weil die Fische alle zugrunde gegangen waren. Der Typ fand heraus, was die Fische vergiftet hatte – die Ölfirma, die im Landesinneren flussaufwärts nach Öl bohrte, Öl, das nach Europa exportiert wurde. Unser billiges Öl verursacht den Hunger eines ganzen Dorfes am Ende der Welt, die Rechnung ist so einfach. Aber wir brauchen doch billiges Benzin, klar! Dafür spenden wir ja jetzt alle mal ganz brav, mit Sektglas in der Rechten und Lachsbrot in der Linken und einem Lächeln auf den Lippen. Ob das Geld dann bei korrupten Machthabern hängen bleibt, das kümmert uns wenig, Hauptsache, das Gewissen ist beruhigt. Und wie kann es sein, dass heute Menschen in Deutschland gibt, die zwar Arbeit haben, vielleicht sogar zwei Jobs, und trotzdem nicht über die Runden kommen, weil der Lohn so lächerlich gering ist? Da stinkt es doch, da stinkt es doch gewaltig. Wir brauchen auch Spenden, aber viel wichtiger: Wir brauchen neue Wege, neue Gedanken, radikale Wege, radikale Gedanken. Ansonsten radikalisieren sich eines Tages die, auf deren Kosten gelebt wird, und jagen uns samt unserer Sektgläser und Lachsbrötchen in die Luft. Krawumm!

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