Monday, September 28, 2009

Zivilcourage!!!

Konstantin Wecker hat sie schon vor vielen Jahren in einem Lied gefordert, nachdem Neonazis einen Schwarzen zu Tode geprügelt hatten - während Polizisten zugesehen hatten, da sie nicht in Konflikt mit der gewalttätigen Gruppe kommen wollten. Jetzt, heute fordert sie jeder in Deutschland. Zivilcourage! Natürlich! Augen zu machen, während Gewalttäter Menschen ins Koma prügeln, das ist eine Schande. Was mich stört ist dieses Verächtlichmachen von Menschen, die vielleicht einfach nicht den Mut haben, gegen zwei brutale Schläger körperlich vorzugehen. Man kann Menschen doch nicht vorwerfen, dass sie nicht mehr getan haben, als sofort die Polizei zu verständigen. Ich erinnere mich an randalierende, betrunkene englische Hooligans nach einem Qualifikationsspiel in Liechtenstein. Da wurden Zugpassagiere am Bahnsteig angepöbelt, angegriffen, und die Polizei sah von der Brücke aus zu. Hätte ich mir gerne all die Journalisten angeschaut, die rumposaunen, dass der Bürger heute einfach zu feige sei. Der großspurige BILD-Journalist hätte doch die Hosen so gestrichen voll gehabt, dass er heim zur Mami gelaufen wäre. Warum gibt es denn keine uniformierte Polizei in der U-Bahn, wenn gewisse Hooligans gewisser Vereine zum Grünwalder Stadion in München anreisen? Warum lässt man sie denn rassistische Parolen grölen und Neonazi-Lieder singen? Warum dürfen sie Fahrgäste anpöbeln, Knallkörper schmeißen? Warum schützt keiner die Fahrgäste?

Die Zeiten sind kälter geworden, ja, und die Leute schauen mehr denn je auf sich selber. Ein Mann hat in München seinen Einsatz für andere mit dem Leben bezahlt. Solche Menschen sind leider rar geworden, allerdings kann man auch nicht von den Bürgern erwarten, dass sie jetzt alle den Heldentot sterben.

Und es ist auch nicht so einfach, wenn man sich gegen solche Barbaren verteidigt - ich denke an den Fall, der sich vor ein paar Jahren in Bayern ereignet hat, als ein Mann von zwei Neonazis angegriffen worden war, als ehemaliger Amateurboxer aber beide professionell k.o. schlug. Der Mann wurde zu 3 1/2 Jahren Haft verurteilt, weil die Schädeldecke eines seiner beiden Gegner zu dünn war und weil - wie Prozessbeobachter bestätigten - sein Pflichtanwalt völlig unfähig war. Sich Gewaltätern entgegen stellen, kann auch dazu führen, dass man selber im Knast landet.

Die Journalisten sollten mit ihren Zeigefinger mehr auf soziale Kälte, Entsolidarisierung und den Staat zeigen, als pauschal ständig Menschen als gefühlskalte Wegschauer zu verdammen.

No comments:

Post a Comment