Wednesday, June 3, 2009

4. Juni 1989

Jedes Jahr an meinem Geburtstag denke ich an meinen 17. Geburtstag, an jenen 4. Juni, an dem eine Bande von alten Männern mit Betonhirnen in China 700-3000* unbewaffnete Frauen und Männer durch das Militär massakrieren ließ. Ob die Forderungen der Studenten zu dieser Zeit übertrieben waren, vermag ich nicht zu beurteilen, es entschuldigt und rechtfertigt niemals dieses Blutbad. An diesem Tag kommt mir immer die banale Erkenntnis: Was für ein Glück, in einem demokratischen Staat wie Deutschland zu leben. Was für ein Glück, in Freiheit zu leben. Vieles stinkt, vieles ist krank, ich bin der Letzte, der das nicht einsieht und kritisiert, aber der Kern, das Herzstück, das ist etwas, um das uns Millionen von Menschen in Unfreiheit beneiden sollten. Niemand verbietet meine Bücher, keine Geheimpolizei steht vor der Tür wegen eines Blogeintrags, kein Soldat schießt auf mich, wenn ich mich an einer Demonstration beteilige, alles so selbstverständlich, ich habe es nie anders gekannt, aber am 4. Juni wird es mir wieder bewusst, was für ein unbezahlbares Glück das ist.

Vielleicht findet auch China eines Tages den Weg zur Demokratie – und die Toten von damals werden zu Helden und die Machthaber von damals zu Mördern. Vielleicht hat Gandhi Recht, als er meinte, egal, wie brutal Machthaber sind, egal, wie sehr sie Menschen unterdrücken, verfolgen, morden, foltern – diese Regime fallen ausnahmslos alle. Früher oder später.

* (Schätzung nach heutigem Forschungsstandl)

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