Tuesday, February 10, 2009

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Dieser Staat ist krank. Nicht nur wegen der Finanzkrise, die nicht nur durch die Gier von Menschen ausgelöst wurde, sondern weil die politisch Verantwortlichen dieses System geschaffen und unterstützt haben, bis es nun mit lautem Getöse zusammenbrach. Dann freilich waren sie schnell mit ihren Zeigefingern, die sie auf die bösen Bankmanager richteten. Eigenes Schuldgeständnis? Fehlanzeige. Warum auch? Sie haben den Menschen herrlich verklickert, sie seien unschuldig, wie sonst sind Wahlergebnisse wie in Hessen zu erklären?

Dieser Staat ist krank. Um die Feinde der Freiheit zu bekämpfen, schränken die Gesetzgeber selbst in atemberaubendem Tempo die Freiheit ein. Das mag in manchen Fällen dringend nötig sein, keine Frage, in vielen Fällen ist sie nur ein Vorwand, um die Bürgerrechte zu beschneiden, weil sich so angenehmer regieren lässt, angenehmer kontrollieren lässt.

Still und heimlich wurde im November 2008 ein Gesetz zum Schutz von Jugendlichen verabschiedet, das unter anderem Schriftsteller künftig im Prinzip verbietet, Sexszenen zwischen Jugendlichen zu beschreiben. Seit vielen Jahren fordern NGOs, Frauenrechts- und Menschenrechtsgruppen, dass Gesetze erlassen werden, die endlich Opfer von Zwangsprostitution schützen, z.B. wenn sie vor Gericht aussagen, dass endlich Gesetze erlassen werden, um diese unhaltbaren Zustände abzuschaffen (Frauen und Mädchen, die zum Sex gezwungen werden, Sklaven im 3. Jahrtausend in unserem Deutschland - es fehlen die Gesetze, um endlich wirkungsvoll dagegen vorgehen zu können). Seit Jahren geschieht nichts. Immer wieder Berichte im Fernsehen über deutsche Freier, die nach Tschechien zu minderjährigen Prostituierten fahren. Es geschieht nichts.

Nun aber so ein Gesetz nach amerikanischem christlich-fundamentalistischen Vorbild, das, wenn man es sich durchliest, dermaßen schwammig und schräg klingt (u.a. scheint es jetzt verboten zu sein, in einem Spielfilm eine Sexszene zwischen zwei Menschen zu zeigen, wenn die beiden auch nur so aussehen, als könnten sie unter 18 Jahre alt sein – selbst wenn die Akteure 25 Jahre alt sind), dass man sich fragt, welche Hornochsen dieses Land denn regieren. Heute haben Jugendliche immer früher Sex, und einige Dinge laufen in dem Bereich ganz sicher falsch und einige Entwicklungen sind höchst beängstigend – aber gerade deshalb muss ein Autor auch über z.B. sexuelle Verwahrlosung Jugendlicher schreiben dürfen und er muss es auch drastisch schreiben dürfen. Ich habe solche Szenen früher geschrieben, würde ich es künftig tun, dann würde ich vielleicht schnell in eine Ecke mit Terroristen und Kinderschändern gestellt werden, vielleicht würden bewaffnete Spezialeinheiten meine Wohnung stürmen und sämtliche Bücher konfiszieren.

Auf den Scheiterhaufen mit Nabokovs Lolita! Auf den Scheiterhaufen mit Irvine Welshs oder Charles Bukowskis Kurzgeschichten! Brenn, „Weine nicht“, brenn! Die Hexenjagd möge beginnen!

Verdammt, in welchem Jahrhundert leben wir? Und warum begehrt keiner auf?

Ein Volk, das glotzt wie eine Herde Kühe.

Herrlicher Fraß für die Mächtigen.

Ein Volk, das in anderen Zeiten bei so einer Finanzkrise zu 10.000en in den Straßen gewesen wäre, um seiner Wut Luft zu machen.

Wir werden belogen, betrogen, nach Strich und Faden verarscht, aber wir sitzen zu Hause und schauen Dschungelcamp und Dieter Bohlen.

Ich weiß ja gar nicht mehr, wen man da mehr verachten soll – die Halunken (X) oben oder die Deppen unten.

Und die einzigen, die aufschreien, sind die, mit denen ich niemals schreien werde, weil ihre Alternative 100mal schlimmer ist, als diesen Schlamassel, den wir jetzt haben. Aber ich wette, dass in naher Zukunft eine populistische rechte Partei auftauchen wird, die Wahlerfolge feiern wird, wie es sie für eine rechte Partei seit 1945 nicht mehr gegeben hat.

Langsam wird es Zeit ans Auswandern zu denken.


(X) es fällt mir schwer, das Wort „Halunken“ in diesem Zusammenhang zu gebrauchen, da es Vokabular von Leuten ist, die ich noch weit mehr verachte als die Beschimpften, aber manchmal ist es einfach nötig

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