Tuesday, December 16, 2008

Und wieder fallen sie aus allen Wolken

Vor knapp einem Jahr schlugen zwei junge Männer in einer U-Bahnstation in München einen Rentner auf unglaublich brutale Weise zusammen. Monatelang hallte der Aufschrei noch nach, Deutschlands Politiker waren entsetzt, als wäre dieser Gewaltakt aus dem Nichts gekommen, völlig überraschend. Wer aber öfters öffentliche Verkehrsmittel benutzte, hat sich darüber kein bisschen gewundert. Die Pöbeleien, die Aggressivität, die Handgreiflichkeiten - nicht nur von jungen Menschen! - das war doch längst Alltag. Wenn man aber mit einem gepanzerten Mercedes durchs Land fährt, dann kriegt man davon natürlich nicht viel mit. Noch 2005 stellte es so etwas wie einen Tabubruch dar, wenn wie in "No llores" in einem Roman eine brutale Gewalttat von Jugendlichen mit Migrationshintergrund beschrieben wurde. 2008 stand das Thema in vielen Polit-Talkshows an der Tagesordnung, gab es unzählige Zeitungsartikel und Reportagen in Magazinen.

Nun der Mordanschlag auf den Passauer Polizeichef - und wieder zeigt sich, wie sehr sich die Politiker von der Straße entfernt haben. Da wird nun so getan, als hätte an einem wolkenlosen Sommertag der Blitz eingeschlagen. Wer die Augen und Ohren offen hatte, wer in Fußballstadien oder diversen Internetforen unterwegs war, der hat geahnt, dass so etwas früher oder später geschehen würde, weil diese Leute immer mehr an Zulauf gewonnen haben und auch immer aggressiver und dreister wurden. (das Neue ist ja sowieso nur, dass das Opfer ein hoher Beamter des Staates ist). Sollte der Täter tatsächlich Neonazi sein, dann ist es vielleicht der allerletzte Aufruf an alle, die immer noch glauben, die braune Szene klein reden zu müssen. Die Feinde der Demokratie sind hellwach und brutaler denn je, und mit Lichterketten und warmen Worten alleine werden sie nicht in Schach gehalten, geschweige denn besiegt werden können.

In so einem Fall ist ein Schulterschluss aller demokratischer Parteien wichtig, täuscht aber darüber hinweg, dass nicht wenige Politiker Mitschuld tragen, was in dem Land schief läuft - wer beinahe über Nacht eine halbe Billion flüssig machen kann, um Banken zu retten, aber jahrelang die um Geld bettelnden Schulen, sozialen Einrichtungen usw. verhungern lässt, darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Soziale Ungerechtigkeit und mangelnde Bildung treiben die Menschen ja geradezu in die Arme der Rattenfänger.

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