Saturday, August 16, 2008

Bayern München II - Dynamo Dresden, 3. Liga


Man hat mir ja oft vorgeworfen, ich würde in meinen Texten ab und zu arg Klischees strapazieren, aber die Klischees kommen ja auch nicht aus dem Nichts, und ich mag es, mit ihnen zu spielen, um sie im letzten Moment noch über Bord zu werfen (wenn ich denn Lust habe). Ich weiß, es gibt Leute, die haben sich an der Figur des "Ramon" in "No llores" gestoßen, der nun wirklich als Prototyp einer Nazi-Glatze besoffen durch die Geschichte wankt, und heute steige ich in die U1, um vom Bahnhof zur Sportstätte an der Grünwalder Straße zu fahren, und die U-Bahn ist voller Dresdner Fans, und ein Wagon ist voller Glatzen, und mein Begleiter sagt: Oh weia, und ich sag: Mal abwarten, aber dann fangen sie auch schon an zu grölen, und sie grölen "Fenerbace Istanbul, Galatasaray - wir hassen die Türkei!", und sie brüllen von Jenajuden, und wohin sie die wünschen, weiß man ja, und sie schreien noch so allerlei Unappetitliches, und die Typen sind dermaßen Klischee, dass ich mir denke, wenn ich das in einem Tatort sehe, dann kriege ich einen Wutanfall, aber im Tatort, da kann ich sie abdrehen, und die hier, die sind wirklich und peinlich und traurig, und dann denke ich mir, 50 Millionen Euro zahlt der Steuerzahler jährlich alleine für die Polizeieinsätze, damit Arschlöcher wie die beim Fußball ihren Spaß haben, und dann tut es gut, wenn man nach dem Spiel mit einer Gruppe kurzhaariger Dresdner Fans was trinken gehen kann, die dem Klischee der hirntoten Naziglatze überhaupt nicht entsprechen, und hätte die Polizei die Straßensperren und U-Bahnsperre rund ums Stadion nicht aufgehoben, würden wir bestimmt noch immer in der Kneipe hocken und von Zeiten reden, da Dynamo noch europäische Spitzenklasse war und gegen den richtigen FC Bayern spielte. Und dann findet man die Münchner Schlachtgesänge, die sich die DDR zurückwünschen und sich darüber beklagen "Wir müssen zahlen, euch Asozialen" auch daneben, und man fragt sich, was Provokation und was ernst gemeint ist, und manchmal will man es gar nicht wissen.

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