Sunday, December 30, 2007

Stimmen im Wind

Bei meiner letzten Zugfahrt hatte ich einen nervösen Sitznachbar. Der junge Mann bewegte sich ständig, Beine, Arme, Hände, Kopf, Nasenflügel, Augenlider, nur ab und zu hielt er inne und stierte mich von der Seite nieder. "Alles klar?" fragte ich, und schon zappelte er wieder. Er trug einen Strohhut und ab und zu ging er barfuß. Ständig stand er auf, ging zum WC, kam wieder zurück, ging zum Schaffner, kam wieder zurück, setzte sich auf einen anderen Platz, das ging so eineinhalb Stunden lang. Als eine weitere Passagierin zustieg, erzählte er, dass er gerade gut von Vietnam zurückgekommen wäre, leider aber nicht von seinem LSD-Trip. "Ich bin völlig durchn Wind", sagte er. "Ich bin völlig hinüber." Die Dame konnte den Mann beruhigen und riet ihm, nach seiner Ankunft sofort einen Arzt anzurufen. "Aber die Stimmen", sagte er. "Die Stimmen befehlen mir was anderes." "Ein Arzt kann Ihnen vorübergehend mit Medikamenten helfen." "Aber die Stimmen befehlen mir was anderes. Keinen Arzt! Die Stimmen befehlen mir Böses!"

Ich hoffe, der junge Mann hat allen Einflüsterern zum Trotz den Rat der Frau befolgt.

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