Tuesday, October 23, 2007

Kapitulation

Ein guter Freund aus Südamerika, mit dem ich vor ein paar Jahren in Innsbruck so manche Weinflasche geleert habe, hat mir kürzlich sein letztes Skript geschenkt. Ich könne damit machen, was ich wolle - er habe keine Kraft mehr zu schreiben, man würde ja doch nur verhungern dabei. Das Traurige ist, dass der Mann in seiner Heimat bereits ein Buch veröffentlicht hat und von dem vielleicht großartigsten Schriftsteller dort als große Nachwuchshoffnung gerühmt worden ist. Jetzt liegt also das Skript vor mir, aber ich beherrsche die Sprache zu wenig, als dass ich darüber urteilen könnte. Ich konnte ihn auch nicht umstimmen, und irgendwie ist es eine Schande, dass ein so großes Talent einfach verkümmert.
Vielleicht sollte ich in den Norden fahren (wo er zurzeit lebt) und ihm ordentlich den Kopf waschen. Oder ich sollte versuchen, das Skript an einen Verlag zu verkaufen. Paul Auster hat nicht Recht, wenn er behauptet, es bräuchte keinen neuen Schriftsteller mehr. Leute dieser Qualität sind heute nötiger denn je.

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