Tuesday, October 2, 2007

Die Fallenjäger

Als ich 11, 12 war, habe ich sämtliche Karl May-Bücher gelesen. Ich habe sie verschlungen und schließlich nichts von ihnen übrig gelassen. Später, als ich wieder mal in eins der Bücher reingelesen habe, konnte ich nicht verstehen, wie mich dieser Schriftsteller jemals so faszinieren hat können. Die Geschichten inspirierten meinen Cousin und mich jedenfalls dazu, im Wald herumzustreunen und dem Jäger die Fallen zu zerstören. Der Mann war ein leidenschaftlicher Fallenjäger, und er hat wirklich alles gefangen: Hasen, Füchse, Marder, Rehe, Hirsche, Bussarde, Falken, Hunde, Katzen, Menschen ... ja, ein Bub musste mit ziemlich üblen Beinverletzungen ins Krankenhaus. Die Fallen waren z.T. unbeschreibliche Tierquälerei. Füchse haben sich nicht selten das eigene Bein abgebissen, nur um dem Eisen zu entkommen. Viele Tiere waren nicht sofort tot, weil sie zu klein für die Fallen waren oder aber zu groß. Aber mein Cousin und ich, wir waren ein gutes Team. Wir haben viele von den Dingern zuschnappen lassen und - wenn möglich, mitgenommen. Gerade im Winter verfolgten wir die Spuren des Jägers im Schnee, hielten Ausschau nach verdächtigen Wurzelstöcken mit Eierschalen, wir fühlten uns wie Helden in einem von Karl Mays Bücher, und diesen Adrenalinkick habe ich später nur manchmal wieder im Fußballstadion erlebt. Es gab riesige Fallen (Durchmesser ein Meter), die, waren sie einmal zugeschnappt, nicht mehr aufzukriegen waren. Es gab kleinere Fallen, die einem beinahe ins Gesicht sprangen, wenn sie zuschnappten. Ich habe den Geruch der toten Tiere bis heute in meiner Nase. Ich seh immer noch die abgetrennten Beine oder Pfoten und eingeschlagenen Köpfe. Leider hat sich der Jäger mit der Zeit auf seine Verfolger eingestellt. Er befestigte die Fallen mit Ketten an den Bäumen. Sie waren bald nur mehr sehr schwer zu entfernen. Keine Ahnung, ob jemand den Job übernommen hat, als wir älter wurden. Oder ob heute noch mit den Eisen Tiere gefangen werden. Vielleicht liest ja auch niemand mehr Karl May und kommt auf die Idee, im Wald auf die Jagd zu gehen.

Ein passionierter Fallensteller findet sich hier: www.fallenjagd.de

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