Tuesday, October 16, 2007

Der Wettkampf der Köchinnen

Als Kind fürchtete ich mich vor etwas ganz besonders: Vor dem Besuch bei meinem besten Freund. Denn er wohnte ein Stück weit von mir entfernt und ich war gezwungen, dort Mittag zu essen. Nun, seine Mama war eine ausgezeichnete Köchin, leider war sie davon besessen, so viel wie möglich in mich reinzustopfen. Sie duldete keine Widerrede. War der Teller leer, musste er gefüllt werden. Ich musste essen, bis nichts mehr da war. Selbst wenn die anderen längst fertig waren, ich musste weiteressen. Mir kamen fast immer die Tränen, weil ich einfach nicht mehr konnte. Aber die Frau akzeptierte das "Ich kann nicht mehr, danke, es war ausgezeichnet" nicht. "Ha! Du traust dich nur nicht! Weiteressen, aber schnell, damit du groß und stark wirst!" Nach dem Essen verbrachte ich eine Stunde auf dem Klo, wo ich mich einschloss, um wenigstens den Nachtisch zu verpassen. Aber so fiel der Nachtisch dann gleich mit dem Kuchen am Nachmittag zusammen. Die Frau war gnadenlos und meinte es doch nur gut. Genau wie meine Mutter. Die revanchierte sich beim Besuch meines Freundes. Auch er hat sich manche Träne aus dem Auge gewischt. Einmal saßen mein Freund und ich auf dem Hochsitz im Wald und er sagte: "Wenn ich groß bin, werde ich Koch." "Koch? Das ist schwul!" "Aber dann kann ich wenigstens so viel essen, wie ich will."

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