Friday, June 22, 2007

Wir zählen die Toten (und vergessen die Überlebenden)

Bei jedem Unglück, jedem Krieg, jedem Terroranschlag ist immer von der Anzahl der Toten die Rede, und manchmal übersteigt die Zahl der Toten jedes Vorstellungsvermögen (wie verdammt noch mal soll man die 50 Millionen Toten des 2. Weltkriegs begreifen?!). Als eine gute Bekannte mir gestern in einer E-Mail von dem irakischen Mädchen erzählte, das sie zur Zeit zu betreuen hat, weil es seit den Bombenangriffen der USA und ihrer Koalition der Willigen schwere traumatische Schäden hat (alleine ausgelöst durch das stundenlange Donnern der Flieger und Krachen der Bomben), wurde mir wieder klar, dass es neben den Toten so viele andere Opfer gibt. Bei den Terroranschlägen in Madrid starben nicht nur 191 Menschen, es wurden unzählige verstümmelt, verletzt, traumatisiert und viele von ihnen werden nie wieder ihr altes Leben zurückbekommen, werden sich nie wieder zurecht finden auf dieser Welt. Nicht wenige von diesen Menschen haben ein schwereres Los, als die, die ihr Leben in einem Augenblick verloren haben. Eigentlich sollte man die tollwütigen Kriegsherren und religiösen Fanatiker tagtäglich mit diesen Opfern konfrontieren. Vielleicht sollte man künftig genau aufzählen, was ein Terroranschlag für Opfer forderte. Wieviele Tote, Querschnittsgelähmte, Entstellte, Erblindete, wieviele Angehörige, die nach dem Tod eines geliebten Menschen in Depressionen verfallen, sich selbst umbringen, all der Schmerz und das Leid und die Verzweiflung sollte man den Verbrechern entgegenschleudern, aber selbst dann würden sie wohl den Wahnsinn ihrer Taten nicht begreifen.

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