Thursday, May 10, 2007

Interview 2

(...)
now!: Wie hast du für "Bataillon d'Amour recherchiert?

Pilz: Ich habe Zeitungsartikel und Artikel aus Magazinen gesammelt, eine fette Mappe liegt bei mir zu Hause. Ich habe mir Dokumentationen und den Spielfilm "Lilja-4-ever" angesehen, habe mit MitarbeiterInnen von Organisationen gesprochen, die sich für diese Frauen einsetzen und die Aufklärungsarbeit leisten. Ich habe viele Aussagen von Opfern studiert. Mit der Zeit hat man dann das Gefühl, dass sich die Geschichten ähneln.

now!: Verfällt man da nicht in Depressionen, wenn man von soviel Leid erfährt?

Pilz: Natürlich muss man immer wieder Abstand nehmen, sonst zieht das einen unbarmherzig runter. Ich habe einen Bericht über amerikanische Ärzte im Irak gesehen. Da wurde einem Soldaten ein Bein abgenommen, und einer der Ärzte erzählte dabei einen Witz. Danach meinte er, hier würden alle verrückt werden, wenn sie das nicht täten, keiner könnte den täglichen Horror überstehen. (...)

now!: Ich habe sehr mit der Ich-Erzählerin in "Bataillon d'Amour" mitgefühlt, mitgezittert, mitgelitten. Wie schafft man es, so eine Figur - eine Frau dazu! -, als Mann so eindringlich und echt darzustellen?

Pilz: Das dauert seine Zeit, viele Wochen, bis man die Figur halbwegs vor sich hat, bis alles passt. Ihr Aussehen, ihre Stimme, ihren Charakter, ihr Herz. Und auch danach gibt es Tage, da findet man nicht hinein in eine Person, da bleibt sie einem fremd, hölzern. Und dann wieder gibt es diese besonderen Momente, wo man eins mit ihr wird. Wo man mit ihr lebt und leidet und sich mit ihr freut. (...)

(now!, Juni 07)

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