Saturday, April 21, 2007

Heimweh

Man kann mich in der Taiga aussetzen, und ich werde immer den Weg aus dem Wald finden, verloren gehe ich nur in Städten, weil mir die Häuser fremd sind und die Straßen und die Autos und die Menschen sowieso. Nur wer auf dem Land aufgewachsen ist, kann das vestehen. Ich liebe die Städte nur, wenn ich weiß, dass ich sie bald wieder verlassen werde. Viele glauben, man sei einsam dort, wo sich Hase und Fuchs Gute Nacht sagen. Nein, einsam ist man dort, wo man Menschen sieht, die durch einen durchsehen, die man rempeln muss, weil man sonst gerempelt wird, einsam ist man dort, wo die Motoren pausenlos röhren, wo schicke Yuppies in schicken Sportwagen jeden Fußgängerübergang missachten und ihren blonden Plastikpuppen auf dem Beifahrersitz Potenz beweisen wollen, die sie anderswo nicht beweisen können, weil ihr scheiß Geld nur geerbt ist und ohne Viagra noch nie was gelaufen ist und nie was laufen wird. Einsam ist man dort, wo der dumpfe White Trash in getunten Körpern seine Blödheit und Hässlichkeit ungeniert zur Show stellt und sich gegenseitig die Köppe einhaut. Nichts wie weg, nichts wie raus, in den Wald, in die Berge, ins Wasser, aufn Mond, in eine Höhle, einfach nur weg, damit man sie nicht länger sehen und hören und riechen muss. Und hoffen. Dass man noch nicht geworden ist wie sie. Die Stadtzombies.
Foto: D. Doppler. Mehr von diesen großartigen Bildern gibt's auf: http://dorisdoppler.blogspot.com

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