Wednesday, April 25, 2007

Denn sie wissen nicht, was sie tun ...

In meiner Zeit als Postbote habe ich, wenn der Stress nicht zu groß war, jahrelang im Schatten eines alten Nussbaums Pause gemacht. Eines Tages lag der Baum am Boden...
Als ich dem Besitzer den 12. oder 13. RSA-Brief vom Gericht zustelle, frage ich ihn, ob er den Baum gefällt hat, weil es ihm nicht gepasst hat, dass ich dort meine Jause esse. "Ha!" sagt er. "Ha!" "Hm?" "Natürlich nicht." "War der Baum krank?" "Krank? Ha!" "Das war doch der schönste Baum weit und breit!" Er schaut mich an und nickt. "Ha!" Ich gebe auf, trenne den Teil mit der Unterschrift vom Schreiben und gehe zurück zum Auto. "Die Eichhörnchen!" sagt er, als ich die Autotür öffne. "Was?" "Diese gottverdammten Eichhörnchen", sagt er leise. "Die holen jeden Herbst die Nüsse. Jeden Herbst. Die Nüsse. Die Eichhörnchen. Jetzt holen sie keine mehr."

Etwas Ähnliches erlebte ich dieses Jahr im Februar. Der Baum in unserer Straße, dessen Blüten jeder in der Straße und jeder, der auf Besuch kam, immer bewundert hat, wurde 'zugeschnitten'. Es sind jetzt noch gezählte 33 Blätter auf dem Baum (Baum? Es ist ein Holzstamm, der sich in 5 Äste teilt). Der schönste Baum der Straße wurde kastriert. Ich beobachte die Besitzerin, eine ehemalige Anwältin, schon länger. Sie kann stundenlang die Hecke zurechtstutzen, sie mäht den Rasen zweimal die Woche, sie läuft im Herbst sofort nach draußen, wenn starker Wind die Blätter auf ihren Rasen oder ihr Auto weht und sammelt sie mit Plastikhandschuhen in Nylonsäcke. Gestern habe ich gehört, wie ein Mann sagte: "OH GOTT! DER SCHÖNE BAUM!" Darauf die Frau Doktor: "Die Blätter." "Die Blätter?" "Sie haben ja keine Ahnung. Im Herbst. Die Blätter."

Ja ja, die Blätter und die Eichhörnchen. Und die Verrückten.

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