Thursday, March 15, 2007

Ode an die Freiheit

Heute Morgen in der U-4 unterhielten sich aufgeregt drei ältere Münchnerinnen über die Radiomeldung, dass das BKA die Terrorgefahr in Deutschland als extrem hoch einstufe. Die Damen meinten nun, schuld sei nur die blöde Regierung, die deutsche Soldaten nach Afghanistan geschickt habe. Ich habe mich nicht eingemischt, hätte die drei aber beruhigen können: Die Bomben kommen früher oder später so oder so nach Deutschland - jetzt wären die deutschen Tornados der Grund, beim nächsten Mal die Farbe der Unterhose des Papstes, beim übernächsten Mal Henryk Broders Kolumne im Spiegel. Ganz abgesehen davon, ob es wirklich im Interesse Deutschlands ist, wenn man an Friedensmissionen in Ländern wie Afghanistan teilnimmt, stimmt mich eines nachdenklich: Dass hierzulande ein Gut, dass mit dem Blut von tausenden von Männern und Frauen in der Geschichte erkämpft, verloren und wieder erkämpft wurde, als selbstverständlich und kaum verteidigenswert angesehen wird: die Freiheit (oh Gott, wie abstrakt!). Ich bin glücklich und stolz in einem Land leben zu dürfen, in dem ich sagen (und schreiben!) kann, was ich will, in dem ich die Religion wählen kann, die ich will, in dem ich das Recht habe, auf die Straße zu gehen, wenn mir etwas nicht passt, in dem Frau und Mann gleichgestellt sind, in dem man niemandem vorschreibt, wie er seine Sexualität zu leben hat oder wen er zu heiraten hat usw. Ich weiß nicht, in welchem Land man anfangen muss, diese Freiheit zu verteidigen, ich weiß nur, dass man sie verteidigen muss, denn der Feind schließt die Reihen enger. Natürlich ist die Politik der US-Regierung seit Jahren unter aller Sau, das darf aber nicht dazu führen, vor lauter Ami-Bashing blind zu sein für die wahren Gefahren. Nur weil ein unglaublich unfähiges und verbrecherisches Kriegskabinett und eine steinreiche Oberschicht die USA regiert, sind die Grundprinzipien, auf denen ihre Gesellschaft eigentlich beruhen sollte, für mich die besten, die es auf dieser Welt gibt.

Blood, sweat and tears hat Churchill einmal von seinem Volk verlangt. Ihm war klar, dass es die Freiheit nicht umsonst gibt. Dass es ohne Opfer nicht geht. Dasselbe gilt für Deutschland 2007. Auch wenn hierzulande die meisten alles billig, billig, billig haben wollen - die Freiheit wird teuer zu verteidigen sein. Aber sie ist es wert.

No comments:

Post a Comment