Tuesday, October 9, 2007

10 Gebote fürs Schreiben

1. Lasst Euch von niemandem (und schon gar nicht von den Herren Karasek oder Reich- Ranicki!) sagen, was gute und schlechte Literatur ist - findet's selber heraus. Das, was oft als Klassiker verkauft wird, kann so scheißlangweilig sein, dass einem der Hintern aufm Sofa wegschläft.

2. Vergesst die US-amerikanischen Schreibschulen und ihre Vertreter. Es sei denn, Ihr wollt in die Armee der Klone aufgenommen werden. Sie schreiben alle nach Schema F und erinnern mich irgendwie an Sekten. Bitte - tut es nicht! Und wenn doch - wehe ich krieg eines dieser Bücher in die Hände! Ich versohl Euch sowas von den Hintern.

3. Schreibt ohne Rücksicht auf Verluste, auch wenn's mal volles Rohr daneben geht! Ein Boxer, der in den Ring steigt, mit der Angst, sich selbst oder jemandem anderen weh zu tun, kann niemals ein guter Boxer sein. Ein Schriftsteller, der beim Schreiben an die Leser oder die Konsequenzen seines Schreibens denkt, kann niemals ein guter Schriftsteller sein.

4. Lest alles, was Ihr in die Hände kriegen könnt, und wenn's die IKEA-Werbung ist. Lesen, Lesen, Lesen, Grundvoraussetzung fürs Schreiben. Lesen und Schreiben. Selbst ein göttlicher Fußballer wie Ronaldinho mit mehr Talent als sämtliche Kampfschweinkicker in Mitteleuropa zusammen muss seine Runden auf dem Trainingsplatz drehen und seine Kilometer abstottern.

5. Versucht es mit Musik! Ich schreibe niemals ohne Musik, manchmal höre ich dasselbe Lied vier Stunden lang, wenn es perfekt zu der Figur passt, die ich gerade beschreibe. Und wenn die Nachbar mit der Schrotflinte auftauchen, zückt Eure Bazooka und zeigt der Welt, dass Ihr nicht nur auf dem Papier große Worte spucken könnt. (Okay, vergesst das mit der Bazooka und setzt Eure Kopfhörer auf ... wer weiß, ob sich seine Tochter nicht mit 12 Stunden Techno- oder Nickelback-Dauerbeschallung rächt ... und gegen diese Menschenrechtsverletzung ist jede Bazooka machtlos).

6. Schreibt nicht unbedingt die Geschichte vom Anfang bis zum Ende, sondern wild durcheinander. Kapitel 1, Kapitel 2, Kapitel 13, Kapitel 17, das Ende, Kapitel 3, Kapitel 4. Ein Computer gibt einem die Möglichkeit, dies problemlos zu tun. Krampfhaft die Geschichte in der chronologischen Reihenfolge zu schreiben ist viel schwerer.

7. Lasst Euch von dem Gedanken mitreißen, dass Ihr Frankenstein spielen könnt. Hey! Ihr könnt aus dem Nichts ein verdammtes Monster schaffen!!! Ihr könnt es gegen die Mächtigen hetzen oder gegen Euch selbst. Gegen Euren Nachbarn (den mit der Schrotflinte) oder Nickelback. Alles ist erlaubt! Just do it!

8. Ich glaube, es war Michael Ende, der mal sagte, dass wahre Künstler alles, was er tue, für Gott tue. Nicht für Geld, nicht für Ruhm. Für Gott. Klingt gut. Ich stimme zu! Do it for God!

9. Wenn Euch Bücher mal langweilen, schaut Euch Songtexte genauer an. Viele von ihnen sind 100mal berührender oder härter oder wütender, also: BESSER als so manche hochgelobten Texte von berühmten Autoren.

10. Vergesst alles, was der Pilz da zum Schreiben sagt. Werft seine Gebote, werft alle Gebote über Bord! (Oder fragt Daniel Kehlmann, der verkauft eine Million Bücher.)

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